Handelspartner Info
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776 Panay Fair Trade Center

Land: Asien - Philippinen
Produkt: Süßes/Snacks

Das Land in Stichworten
Die Philippinen bestehen aus etwa 7.100 Inseln, im Norden befindet sich die Hauptinsel Luzon und im Süden die Insel Mindanao. In der Mitte befindet sich die Inselgruppe des Visayas. Die gepa-Handelspartner befinden sich sowohl auf den Inseln Luzon, Negros, Cebu als auch Panay. Die philippinische Landschaft wird von Vulkanen (z.B. dem Pinatubo) dominiert. Die Regenzeit beginnt im Juni und dauert bis November, die Temperaturen sind tropisch heiß. Die Philippinen verfügen über eine Reihe von Rohstoffen, z.B. Kupfer, Gold, Silber, Eisenerz und Zink. Das Exportprodukt "tropische Edelhölzer" ist kaum noch vorhanden, heute beträgt die Regenwaldfläche nur noch ca. 3 %. Die Philippinen haben ca. 64,8 Millionen Einwohner. Davon lebt knapp die Hälfte in den Städten, in Manila allein etwa 8 Millionen. Die Zahl der Slumbewohner in Manila wird auf 1 Million geschätzt. Die Einkommensverteilung ist insgesamt sehr ungleich. Es werden auf den Philippinen ca. 87 Sprachen gesprochen, Englisch ist die zweite Schulsprache. Ein philippinischer Politiker charakterisierte das koloniale Erbe einmal als "300 Jahre Kloster (Spanien) und 50 Jahre Hollywood (USA)". Die Analphabetenrate beträgt nur 10 %, das Schulsystem basiert auf dem amerikanischen System. Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch, 5 % der Menschen sind Moslems. Sie leben überwiegend auf der Insel Mindanao. Nach der Unabhängigkeit 1946 haben sich die USA bestimmte Sonderrechte vorbehalten, z.B. das Pachtrecht für die beiden amerikanischen Stützpunkte. 1992 wurde der Vertrag für den Stützpunkt Subic Bay von der philippinischen Regierung nicht mehr verlängert. Nach dem Sturz von Präsident Marcos durch die "people´s power" (Macht des Volkes) 1986 hat sich das politische System stabilisiert.
Die Landwirtschaft spielt in der Wirtschaft des Landes eine wichtige Rolle, ebenso der Export von Rohstoffen. Für den Weltmarkt werden z.B. Zuckerrohr, Kokosnüsse und Bananen produziert. Die Mehrheit der landwirtschaftlichen Betriebe hat weniger als 5 ha. Das Land ist extrem ungleich verteilt, etwa 15 % der Betriebe verfügen über die Hälfte des Ackerlandes. Viele Bauern haben keinen Landtitel, eine Landreform ist längst überfällig. Der Grad der Unterbeschäftigung liegt generell bei ca. 40 %, die Arbeitslosigkeit bei ca. 10 %. Viele Arbeitskräfte wandern deshalb ab (Naher Osten, Japan, etc.) und tragen erheblich zu den Deviseneinnahmen des Landes bei.  

Die Organisation
Das Büro der Organisation Panay Fair Trade Center (PFTC) befindet sich in der Stadt Iloilo auf der Insel Panay, ca. 500 km südlich von Manila. Die Organisation wurde 1991 gegründet und dient den Basisorganisationen auf der Insel Panay als Vermarktungsorganisation. Die Initiative zur Gründung von PFTC geht von dem Dachverband Gabriela-Panay aus, in dem die meisten Frauenorganisationen zusammen geschlossen sind. Durch die Arbeit von PFTC sollten vor allem die Einkommen der Frauen verbessert werden. Seit 1996 ist PFTC ein gepa-Handelspartner, von dort stammen die Bananenchips der gepa. PFTC hat 14 fest angestellte Mitarbeiter, die für die Abwicklung des Exportgeschäftes und die Beratung der Bauern zuständig sind. Der Frauendachverband Gabriela-Panay wacht als Kontrollorgan über die Geschäfte der Produktionsfirma PFTC. Gabriela regelt auch die Zusammenarbeit zwischen PFTC und den an der Bananenchipsproduktion beteiligten Frauenorganisationen. PFTC ist somit in ein Netzwerk von Verbänden und Organisationen eingebunden, die etwa 7.000 Mitglieder verzeichnen.  

Die Produzenten
PFTC bezieht die Bananen von verschiedenen Organisationen, in denen sich Kleinbauern zusammen geschlossen haben. Eine dieser Organisationen ist die "Federation of Leon Free Farmers Association". Diese Vereinigung besteht aus dreizehn Mitgliedsgruppen und hat insgesamt ca. 500 Mitglieder. Der Ort Leon, ca. 30 km von Iloilo City entfernt, ist bekannt für die Obst - und Gemüseproduktion.
Die "Federation of Leon Free Farmers Association" kämpft zum einen für eine wirkliche Landreform in den Philippinen und kümmert sich zum anderen um die Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Mitglieder. Die "Federation" arbeitet lokal eng mit AMIHAN, der Frauenorganisation der Kleinbäuerinnen und OFFERS (Organic Farming Experimental Research) zusammen.
Die Kooperative Nanbang I ist ein Mitglied der "Federation of Leon Free Farmers Association". Die Kooperative hat 23 Mitglieder, davon 4 Frauen und 19 Männer. Die meisten Familien haben zwischen 1 und 3 ha Land zur Verfügung, zwei Familien haben kein eigenes Land. Alle Familien haben Bananenstauden gepflanzt. Die Bananenstauden wachsen im Hinterhof oder an den Hängen. Sie werden nur durch herabfallende Bananenblätter und den Dung der Wasserbüffel (Carabaos) "gedüngt". Außerdem bauen die Kleinbauern Reis (eine Ernte pro Jahr), Mais, Mungobohnen, Sojabohnen, Erdnüsse, Papayas, Avocados, Mangos an und ernten Kokosnüsse.
Zur Selbstversorgung mit Reis reicht die Ernte kaum aus, deshalb ist der Verkauf von Bananen an PFTC eine willkommene Möglichkeit, Geld zu erwirtschaften. In der Hauptbananensaison (Juli - Januar) kann die Kooperative in einem Monat 200 Büschel á 40 kg ernten. Die Kleinbauern erhalten derzeit für ein Kilogramm Bananen von PFTC 2,70 Pisos. Davon gehen 2,50 Pisos direkt an die Kleinbauern, 0,10 Pisos an die eigene Kooperative und 0,10 Pisos an die "Federation of Leon Free Farmers Association". Damit kann die "Federation" z.B. schriftliche Unterlagen für ihre Kurse finanzieren. Von eine Zwischenhändler erhalten sie übrigens zur gleichen Zeit lediglich 1,90 Pisos pro Kilogramm Bananen.
Die Kooperative Nanbang I bietet ihren Mitgliedern außerdem Leistungen wie den günstigen Einkauf im Laden der Kooperative, gegenseitige Unterstützung bei der Arbeit auf den Feldern, Kurse über ökologischen Anbau und Kurse über Kleintierhaltung. Die Verarbeitung der Bananen zu Chips findet in der Stadt Iloilo statt. Die Frauen, in der Verarbeitungsanlage sind Mitglieder der Organisation "NAG-KAKAISA", was soviel wie "Einheit" bedeutet. NAG-KAKAISA ist eine Frauenorganisation der Slumbewohnerinnen und Mitglied von Gabriela-Panay. Derzeit finden ca. 25 Frauen in der Verarbeitung von Bananen zu Chips einen Arbeitsplatz, je nach Auftragslage. Ansonsten arbeiten die Frauen im informellen Sektor, als Verkäuferinnen oder Wäscherinnen.
Die Frauen verarbeiten die grünen Saba-Bananen zu Chips, d.h. die Bananen werden geschält, in Scheiben gehobelt, gesüßt und in Kokosöl frittiert. Drei Frauen können an einem Arbeitstag bis zu 2 t Bananen verarbeiten. Die fertigen Bananenchips werden dort ebenfalls in Polypropylentüten verpackt. Die Arbeiterinnen erhalten einen Stücklohn und verdienen pro Tag zwischen 80 und 140 Pisos. Im Vergleich zu sonst üblichen Löhnen von 25 bis 70 Pisos pro Tag kann sich dieser Lohn sehen lassen. Der Koch (Fritiermeister) der Bananenchips erhält ein festes Gehalt, da er sich außerdem ständig um die Verarbeitungsanlage kümmert. Für jede nach 17 Uhr geleistet Arbeitsstunde werden 10 Pisos Zuschlag gezahlt. Fünf Prozent des Lohns gehen an die Organisation NAG-KAKAISA. Vor der Einstellung werden die Frauen von einer Ärztin untersucht. Im Krankheitsfall während der Beschäftigung haben die Arbeiter das Recht auf 15 bezahlte Krankheitstage. Bei Arztrechnungen hilft PFTC in dem Maß, wie es notwendig ist.
Geplant ist ein Tageskindergarten für die Frauen, die in der Verarbeitungsanlage Bananenchips herstellen und verpacken. Auf diese Weise können auch Frauen mit kleinen Kindern besser beschäftigt werden. Eine Finanzierung des Gebäudes soll durch eine Spende von einer schweizerischen Kirchengemeinde geleistet werden und für die laufenden Kosten wird PFTC aufkommen. Die Frauen, die bei PFTC arbeiten, sollen nur einen geringen Kostenbeitrag entrichten müssen.  

Produktion und Vertrieb
Auf dem Inlandsmarkt werden Bananenchips zweiter Qualität und Mascobadoklümpchen verkauft. Für die Mitarbeiter von PFTC ist dies ein kleines Zusatzeinkommen. Im Inland werden allerdings nur 5 Prozent der Produkte abgesetzt, während 95 Prozent in den Export gehen. Neben den Bananenchips bietet PFTC auch Mascobado an, der ein Bestandteil der Mascao-Schokolade ist.



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